Altersvorsorge Schweiz: die grosse Ernüchterung

By | 30. November 2014

 

Die AHV ist das Sorgenkind der Schweiz. Das enthüllt das Sorgenbarometer 2018 der Credit Suisse. Auch die geplante Reform der Altersvorsorge (AHV 21) greift zu kurz – das Land sollte und müsste den grossen Wurf wagen.

AHV belegt im Sorgenbarometer den ersten Platz

Die hiesige Bevölkerung sorgt sich zunehmend um die Altersvorsorge. Gemäss Sorgenbarometer nennen sie rund 45% als das wichtigste und dringendste Problem der Schweiz. Neu steht sie auch im Jugendbaro-meter zuoberst auf der Liste. Gerade unter denjenigen, die erst in den kommenden Jahrzehnten in den Ruhestand gehen werden, macht sich grosse Ernüchterung breit. Und dies aus gutem Grund.

Die AHV, die erste Säule des Schweizer Altersvorsorgesystems, gibt bereits heute mehr aus, als sie einnimmt. Sämtliche Szenarien zeigen, dass der zusätzliche Finanzbedarf ab 2020 durch das aktuelle System nicht mehr gedeckt werden kann. Gemäss neuen Projektionen der AHV-Finanzen bis 2045 wird sich das Defizit ohne Reformen sogar auf 220 Milliarden Franken summieren. Und in der beruflichen Vorsorge, der zweiten Säule, subventionieren Aktive aufgrund zu hoher Rentenversprechen Jahr für Jahr die Generation der Rentner in der Grössenordnung von 5 Milliarden Franken. Wo ihnen die Hände durch das Gesetz nicht gebunden sind, nutzen Pensionskassen zunehmend ihren Spielraum: Umwandlungssätze gehen im überobligatorischen Bereich zurück. Künftige Rentner müssen deshalb mit tieferen Altersleistungen aus ihrem angesparten Alterskapital rechnen.

Altersvorsorge steht vor grossen Hürden

Das Grundproblem der Altersvorsorge ist eigentlich einfach und seit Längerem bekannt. Wir leben immer länger und bei guter Gesundheit. Die Zeitspanne im aktiven Erwerbsleben, innerhalb deren für den Ruhestand bezahlt und gespart wird, ist jedoch gleich lang geblieben oder hat sich aufgrund von Frühpensionierungen und einem bildungsbedingt späteren Eintritt in das Erwerbsleben sogar noch verkürzt. Kamen zum Zeitpunkt der Einführung der AHV 1948 über sechs Aktive auf einen Rentner, sind das heutzutage noch rund drei und 2045 dürften es noch zwei sein.

45 % sehen die Altersvorsorge als das
wichtigste Problem der Schweiz.

Auszug aus der Publikation 2018 durchgeführt durch die Crédit Suisse

Es zeigt sich, dass zentrale Baustellen in der Altersvorsorge Schweiz gegeben sind, welche rasch möglichst behoben werden müssen, denn ohne die erforderlichen Massnahmen laufen wir in eine Sackgasse. Die Auswirkungen zeigen sich auch bereits im Bereich der beruflichen Vorsorge. Für Unternehmen mit einem Altersdurchschnitt über 50 Jahren zeigen sich die Folgen bereits heute bei der Suche nach einer passenden Sammelstiftung. Aktuell sind die Annahmerichtlinien bei den Sammelstiftungen so aufgesetzt, dass solche Unternehmen fast keine Möglichkeit für einen Wechsel oder Neuanschluss haben. Der Grund hierfür liegt bei den überhöhten Altersumwandlungssätzen, welche dringend angepasst werden müssen.